Die Geschichte allein schon der Namen Sachsen und Brandenburg ist verzwickt, denn beide haben im Lauf von Jahrhunderten mehrfach ihre Orte und somit ihre Bedeutung gewechselt. Das heutige Sachsen liegt gar nicht dort, wo der ↗Volksstamm der Sachsen ursprünglich lebte. Früher lebte der Volksstamm im Nordwesten Deutschlands zwischen Elbe und Weser. Der Name wanderte im Mittelalter über mehrere Stationen nach Südosten, weil mit dem Herzogstitel auch die Kurwürde an andere Herrscherhäuser überging.
Brandenburg hingegen war nie ein Königreich, sondern wurde aus der ↗Markgrafschaft Brandenburg zum Kurfürstentum. Seine Herrscher wurden erst später als Könige in Preußen mächtig, einem Gebiet außerhalb des Heiligen Römischen Reiches.
Und trotzdem sind die beiden Länder ↗Brandenburg und Sachsen verbunden, nämlich durch verwandte Fürstenhäuser, durch das Recht zur Königswahl, durch gemeinsame Grenzgebiete wie die Lausitz und schließlich durch die Rivalität zwischen dem aufsteigenden Preußen und dem Königreich Sachsen, was 1815 zur Teilung Sachsens führte.
Verwandtschaft:
Albrecht der Bär, der erste Markgraf von Brandenburg, kam aus dem Hause Anhalt,
auch ↗Askanier genannt.
Nach dem Sturz Heinrichs des Löwen 1180 wurde sein Sohn Bernhard zum Herzog von Sachsen
- allerdings nur zum Herzog über einen stark verkleinerten Rest des alten Stammesherzogtums der Sachsen,
mit Gebieten an der unteren Elbe (Lauenburg) und um Wittenberg.
1296 teilte sich diese Linie in Sachsen-Lauenburg und Sachsen-Wittenberg.
Brandenburg und Sachsen-Wittenberg waren also zunächst zwei Linien desselben Hauses.
Doch die Brandenburger Askanier starben 1320 aus, und die Wittenberger Askanier starben 1422 aus.
Dann übertrug König Sigismund 1423 das Herzogtum Sachsen samt Kurwürde an den Wettiner Friedrich den Streitbaren, Markgraf von Meißen. Damit gingen der Herzogstitel und die Kurwürde auf die Wettiner über, deren Kernland (Meißen, dazu Teile Thüringens und das Osterland) an der oberen Elbe lag, rund 300 km südöstlich des alten Stammesgebiets. Dieses Land hieß fortan Kursachsen oder einfach Sachsen, während das Stammland der Sachsen zwischen Elbe und Weser den Namen verlor. Und Brandenburg fiel 1415/17 an die Hohenzollern.
Die gemeinsame Rolle im Reich:
Die Goldene Bulle von 1356, das Reichsgesetz von Kaiser Karl IV., legte fest,
wer den römisch-deutschen König wählen durfte.
Unter den sieben Kurfürsten waren es ausdrücklich die Markgrafen von Brandenburg und den Herzog von Sachsen-Wittenberg.
Die Kurwürde wurde an das jeweilige Land gebunden und sollte ungeteilt nach dem Erstgeburtsrecht vererbt werden.
Sachsen erhielt das Amt des Erzmarschalls, Brandenburg das Amt des Erzkämmerers.
Deshalb konnte die Kurwürde 1423 auch als Teil des Herzogtums an die Wettiner weitergegeben werden.
Später sicherten sich Wettiner und Hohenzollern 1459 im Vertrag von Eger gegenseitig ihre Erbfolge zu (Erbverbrüderung, zusammen mit Hessen).
Grenzland und Lausitz:
Die Niederlausitz kam 1635 (Prager Frieden) von Böhmen an Kursachsen, die Oberlausitz ebenfalls.
Beide gehörten bis 1815 zu Sachsen. Das sächsisch-Brandenburgische Grenzgebiet war damit lange Zeit eng verflochten.
Rivalität:
Seit dem 18. Jahrhundert, als Brandenburg-Preußen zum Königreich aufstieg (1701), wurde Preußen für Sachsen zum Rivalen.
Friedrich II. besetzte Sachsen im Siebenjährigen Krieg. Sachsen, durch August den Starken in Personalunion mit Polen verbunden
und 1806 Königreich, stand in den Napoleonischen Kriegen zu lange auf Napoleons Seite.
Deshalb musste es 1815 auf dem Wiener Kongress etwa zwei Fünftel seines Gebiets an Preußen abtreten,
darunter Wittenberg, den Kurkreis, Torgau, Teile der Niederlausitz und Merseburg.
Diese Gebiete kamen teils zur preußischen Provinz Sachsen, teils zur Provinz Brandenburg.
Ironischerweise lag damit genau das Wittenberger Stammland der sächsischen Kurwürde in Preußen.
Heute:
Wittenberg liegt in Sachsen-Anhalt, die Niederlausitz teils in Brandenburg (Cottbus), teils in Sachsen.
Die Landesgrenze ist ein Ergebnis dieser Teilung von 1815.